Gauland zu Besuch bei der AfD Bayern

An Parteiprominenz hat es auf der als „politischer Frühschoppen“ mit Alexander Gauland, Hans-Jörg Müller, Florian Jäger und Linda Amon beworbenen Veranstaltung der AfD Bayern am 19.03.2017 in Maisach nicht gefehlt. Neben den angekündigten Redner*innen statteten der Veranstaltung unter anderen auch die aus Deggendorf stammende Katrin Ebner-Steiner, der AfD-Landeschef Petr Bystron, das AfD-Bundesvorstandsmitglied Dirk Dreisang, der Vorsitzende des AfD-Kreisverbands München-Ost, Wilfried Biedermann, sowie Paul V. Podolay einen Besuch ab. Zwischen 100 und 150 Personen nahmen an dem „politischen Frühschoppen“ teil.

Erneut nehmen Neonazis und extrem Rechte an einer AfD-Veranstaltung teil

Als einer der Erstunterzeichner*innen der sogenannten „Erfurter Resolution“ ist Alexander Gauland dem rechtskonservativen Flügel der AfD, der sich selbst als „Der Flügel“ betitelt, zuzurechnen. Da ist es nicht weiter verwunderlich, dass dieser Veranstaltung auch die lokale Neonazi-Prominenz einen Besuch abstattete: Lukas Bals, ehemaliges Mitglied der Neonazi-Partei „Die Rechte“ in Dortmund und als solches durch seine Beteiligung an dem sogenannten Dortmunder Rathaussturm zu einiger Berüchtigkeit gelangt, erschien auch bei dieser Veranstaltung der AfD und durfte offenbar trotz Anwesenheit von Petr Bystron und Wilfried Biedermann teilnehmen. Das ist insbesondere deswegen verwunderlich, weil sich sowohl Bystron, als auch Biedermann in der Vergangenheit gezwungen sahen, sich von Bals zu distanzieren:

Bystron war am 29. Juni 2016 gemeinsam mit Lukas Bals und Rick W. (BDP) zu einem Vortrag von Robert Andreasch über die AfD im EineWeltHaus aufgetaucht. Nachdem Bystron und seine Begleiter dort von Antifaschist*innen daran gehindert wurden, das Grundstück zu betreten und die Polizei ein von der*dem Veranstalter*in ausgesprochenes Hausverbot durchsetzen musste, war Bystron gemeinsam mit Bals und Rick W. ins Gasthaus Zur Festwiese gegangen. Nachdem auch der Bayerische Rundfunk diesen Vorfall zum Anlass genommen hatte, um über Bystrons Verbindungen zu Münchens extremen Rechten zu berichten, leugnete Bystron die Bekanntschaft zu Lukas Bals und Rick W. Insbesondere Bals habe Bystron „vorher in [seinem] Leben nicht gesehen“ und er habe erst „jetzt im Nachhinein erfahren, wer das ist“.1

Bei einer vom AfD-Kreisverband München-Ost organisierten Wahlparty am 04. September 2016 kam es ebenfalls zu einem Eklat, an dem Lukas Bals beteiligt war. Als vor dem Restaurant Portugal, dem Veranstaltungsort der Wahlparty, Antifaschist*innen ihre Meinung zur rassistischen AfD kund taten, griffen vier Teilnehmer*innen dieser Wahlparty die Gegendemonstration an.2 Mit dabei: Rick W. und Lukas Bals. Nachdem die Presse von diesem Vorfall berichtete, distanzierten sich sowohl Veranstalter Wilfried Biedermann, als auch Landeschef Petr Bystron von Bals, Rick W. und dem ebenfalls an den Übergriffen beteiligten, nationalistischen Rapper „Chris Ares“. Während Bystron gegenüber der Huffington Post Kontakte der AfD München zu den beteiligten Rechten und Neonazis leugnete,3 ließ sich Biedermann auf die erwartungsgemäß unhaltbare Behauptung ein, der Vorfall am Rande der AfD-Wahlparty sei inszeniert gewesen, immerhin hätten Bals, Rick W. und „Chris Ares“ nicht auf der Gästeliste gestanden.4 Das hätte Biedermann vorher besser mit seiner PR-Abteilung rücksprechen sollen. Die AfD selbst jedenfalls veröffentlichte bei Youtube auf dem Kanal „AFD-Television“ ein Video, auf dem „Chris Ares“ als ganz normaler Teilnehmer der AfD-Veranstaltung zu sehen ist. Auch Rick W. und zumindest ein mit der zuvor – während der Auseinandersetzung auf der Straße – dokumentierten Kleidung von Bals bekleideter Mensch sind in diesem Video zu sehen. „Ares“, Bals und Rick W. haben definitiv nicht auf der Gästeliste gestanden, sie hätten sich „vielleicht durch den Lieferanteneingang reingeschlichen“ oder seien „mit dem Ausweis von jemand anderem“ durch die Kontrolle gelangt, spekulierte Biedermann daraufhin gegenüber der Abendzeitung.5 Ebenfalls gegenüber der Abendzeitung hatte Biedermann Bals und Co. zuvor bereits ein Hausverbot für zukünftige AfD-Veranstaltungen in München ausgesprochen.4

Dieses Hausverbot galt offenbar nicht für Maisach, denn obwohl Biedermann nach dem Eklat um die von ihm organisierte Wahlparty Bals eigentlich erkennen müsste, selbst wenn dieser versuchen sollte, sich mit dem Ausweis einer anderen Person auszuweisen, setzte er dieses Hausverbot offensichtlich nicht durch. Zwar betrat Bals die Gaststätte am 19.03.2017 durch den Hintereingang, doch da es sich hier um den einzigen offenen Zugang zum Gebäude handelte, der auch von allen anderen Teilnehmer*innen der Veranstaltung genutzt wurde, dürfte es sich hier nicht um „Reinschleichen“ gehandelt haben.

Ohnehin handelt es sich bei Bals nicht um den*die einzige*n extrem Rechte*n Teilnehmer*in der Veranstaltung. Auch bekannte Gesichter von PEGIDA München waren vor Ort. Dirk H., regelmäßiger Teilnehmer von PEGIDA München-Demonstrationen und AfD-Sympathisant – er erreichte die Geststätte gemeinsam mit Lukas Bals – und Marcus S., der Betreiber des Youtube-Kanals Septem Artes, auf dem er ungeschnittene Videomitschnitte von PEGIDA München-Demonstrationen veröffentlicht, waren ebenfalls unter den Teilnehmer*innen.

Kein Wunder, dass unter den vor dem Veranstaltungsort abgestellten Fahrzeugen auch mehrere Kraftfahrzeuge mit darauf angebrachten, rechten Symbolen zu finden waren. Besonders auffällig: Ein silberner VW Golf mit Dachauer Kennzeichen, auf dem auf der linken Seite des Hecks das Abzeichen der Feldjägertruppe der Bundeswehr mitsamt dem Leitspruch „Suum Cuique“ (lat., „Jedem das Seine“) angebracht ist, und auf der rechten Seite des Hecks das Markenlabel der Neonazi-Marke Thor Steinar prangt.

Fußnoten

1Vgl. Kooperation mit Rechtsextremen?: Stellungnahme des AfD-Landesvorsitzenden Bystron (BR24)
2Vgl. Violence Erupts at AfD Election Party after Spontanous Antifa Demonstration (24MMJournalism)
3Vgl. Rechtsextreme attackieren Demonstranten bei AfD-Wahlparty in München (Huffington Post)
4Vgl. Nach Eklat bei Wahlparty: Münchner AfD distanziert sich von Schlägereien (Abendzeitung)
5Vgl. Video widerlegt AfD-Statement: Posse bei AfD-Veranstaltung: Das Rätsel um den Kung-Fu-Treter (Abendzeitung)

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