Zum Führerkult, den das Zentrum für politische Schönheit um Höcke inszeniert

Viel Wirbel hat es in den letzten Tagen um eine Aktion des „Zentrums für politische Schönheit“ gegeben. Die Aktivist*innen des „Zentrums für politische Schönheit“ haben auf einem benachbarten Grundstück von Björn Höcke einen Nachbau des Berliner „Denkmals für die ermordeten Juden Europas“ installiert und diesen in einer in der Öffentlichkeit vielbeachteten Kampagne enthüllt. Nun sammeln die Aktivist*innen Spenden, um das Denkmal für die Zukunft zu finanzieren, aber auch dafür, um Höcke mittels eines eigens gegründeten „Zivilgesellschaftlichen Verfassungsschutz Thüringen“ rund um die Uhr zu überwachen.

Die Aktion selbst wurde von der Öffentlichkeit durchaus kontrovers aufgenommen – und das zu Recht. Während die Empörung der rechten Gesellschaftshälfte über diese Aktion Zeugnis davon ablegt, wie stark Höckes Forderung nach einer „erinnerungspolitischen Wende um 180 Grad“ Verankerung in der deutschen Gesellschaft findet, trägt die Begeisterung vieler Menschen über diese Aktion zu einer Verklärung der gesamtgesellschaftlichen rechten Mobilisierung bei.

Die Gruppe Project C kritisiert die Aktion des Zentrums für politische Schönheit auf ihrer Webseite dahingehend, dass der Charakter der gesamten Kampagne keineswegs auf einen konsequenten Antifaschismus schließen lasse, sondern dass die aufwändig inszenierte Mitmach-Kampagne darauf abziele, „dass sich Höcke wieder ins Kollektiv der Besserdeutschen einfügt“. Tatsächlich: Forderungen wie die, Höcke solle vor dem Denkmal auf die Knie gehen, wie einst Willy Brandt in Warschau legen einen solchen Schluss mehr als nahe. Auch, dass das Zentrum für politische Schönheit einen „zivilgesellschaftlichen Verfassungsschutz“ ins Leben gerufen hat, um die Umtriebe der extremen Rechten in Thüringen zu beobachten, spricht für sich [1].

Die personifizierte Kritik an Höcke unter dem Deckmantel der Aufklärung der Gesellschaft über die wahren Ziele ihrer Kultfigur eignet sich hervorragend dazu, die Mitschuld der deutschen Gesellschaft an der rassistischen Stimmung im Land zu leugnen. Spitzt mensch die Kritik des „Zentrums für politische Schönheit“ zu, ließe sich diese etwa folgendermaßen formulieren: „Höcke und ein kleiner Kreis weiterer Demagogen verführen die deutsche Gesellschaft zu eben jenem Rassismus, der sich momentan überall bemerkbar macht. Dabei halten sie ihre wahren Ziele, nämlich die Errichtung eines nationalsozialistischen deutschen Staates, vor den unschuldigen Gefolgsleuten geheim. Wenn mensch nur die wahren Ziele Höckes und seiner Leute veröffentlicht, lässt sich der Rassismus in Deutschland beenden.“

Das ist offensichtlicher Blödsinn. Rassismus und rechtes Gedankengut ist kein Keim, der den Menschen von einzelnen Demagogen eingepflanzt wird, sondern ein hochkomplexes gesellschaftliches Phänomen, das sich in beinahe allen gesellschaftlichen Strukturen widerspiegelt. Nur weil wenigstens ein latenter Rassismus in den Köpfen der Menschen bereits existiert, kann es Personen wie Höcke, aber auch den vielen anderen extrem rechten Führungsfiguren gelingen, diesen Rassismus an die Oberfläche zu bringen. Mit anderen Worten: Personen wie Höcke sind nicht deshalb gefährlich, weil sie besonders menschenverachtende Vorstellungen haben, sondern vielmehr weil sie das aussprechen, was zahlreiche andere Menschen denken.

Mittlerweile ist neben der Kampagnenwebseite der eigentlichen Aktion des „Zentrums für politische Schönheit“ auch eine Webseite mit dem Titel „Landolf Ladig, NPD“ aufgetaucht [2]. Darauf wird Björn Höckes Gesicht mit dem Pseudonym „Landolf Ladig“ und der „NPD“ in Verbindung gebracht. Unter dem Pseudonym „Landolf Ladig“, das kann mensch eigentlich schon seit mehr als einem Jahr als gesichert ansehen, veröffentlichte Höcke in den Jahren vor seinem Engagement für die AfD Artikel in den extrem rechten und NPD-nahen Zeitschriften „Eichsfeld Stimme“ und „Volk in Bewegung“ des Neonazis Thorsten Heise. Auf der Webseite, die wohl ebenfalls dem Zentrum für politische Schönheit zugeordnet werden kann, können Besucher*innen „Landolf Ladig“-Merchandise bestellen. Tassen, T-Shirts, Leggings und vieles mehr mit den Aufschriften „Landolf Ladig“, „NPD“, „Landolf und Thorsten, NPD“ können hier erworben werden. Auch ein Buch mit dem Titel „Mein Kampf für Deutschland“ von „Landolf Ladig“, angeblich im „Franz Eher Verlag“ erschienen, kann erworben werden. Darin befinden sich einige Texte, die Höcke unter dem Pseudonym „Landolf Ladig“ veröffentlichte.

Die Webseite landolf-ladig.de verdeutlicht dabei die seichte Kritik des Zentrums für politische Schönheit und deren ideologische Motivation, Höcke als Anomalie einer besseren deutschen Gesellschaft zu brandmarken. Die Inszenierung Höckes als popkultureller Führer in der Tradition Hitlers wird weder der Frage nach den Ursachen von Rassismus und faschistischem Gedankengut gerecht, noch zeugt sie von einer angemessenen Aufarbeitung der deutschen Geschichte.

Dass die gesellschaftliche Mitte die Aktion des Zentrums für politische Schönheit so dankbar aufnimmt und feiert, liegt eben gerade in dieser seichten Kritik begründet, die sie von jeglicher Verantwortung reinwäscht. Doch unterdessen gedeihen Rassismus und völkisches Denken weiter und es wäre kaum überraschend, wenn selbst Höcke die Kampagne des „Zentrums für politische Schönheit“ am Ende unbeschadet übersteht.

Anmerkungen

[1] Sich in eine Tradition mit dem Thüringer Verfassungsschutz zu stellen und sogar zu kritisieren, dass dieser „auf den Einsatz menschlicher Quellen“ verzichte, zeugt von einer unfassbaren Ignoranz gegenüber dem Versagen staatlicher Institutionen im Kampf gegen die extreme Rechte. Sollte der Thüringer Verfassungsschutz tatsächlich auf V-Leute innerhalb rechter Strukturen verzichten, wäre das ein Segen für den Kampf gegen die extreme Rechte!

[2] Vgl. https://landolf-ladig.de/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.